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Artikel aus der Filder Zeitung vom 07.10.2009

Statt Zoff in Unteraichen viel Harmonie in Oberaichen

Kurz regte sich Protest gegen den Bau der Moschee, doch inzwischen  scheinen die meisten Probleme gelöst. Von Tim Höhn                             
                                                                                
Es war längst nicht der Proteststurm wie Anfang des Jahres in Unteraichen, aber auch im benachbarten Oberaichen sind jetzt kritische stimmen gegen den geplanten Bau einer Moschee laut geworden. Vor allem Veröffentlichungen im städtischen Amtsblatt haben für Verunsicherung unter den Bürgern gesorgt. "Die Bedenken haben keinerlei religiösen Hintergrund, sondern richten sich ausschließlich gegen die Größe des Projekts und die Nutzung der Räume", sagt Dieter Hörz, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft des Stadtteils. 

Der muslimische Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) plane neben  dem Gebetszentrum ein Wohnheim für 40 Schüler, hieß es kürzlich im Amtsblatt.

Zudem sei der ebenfalls vorgesehene Ladenbereich inklusive Imbiss und Frisör nur Besuchern des Gebetszentrums vorbehalten und somit kein öffentliches Angebot. "Das waren die Angaben des vom VKBI beauftragten Architekturbüros", betont Stadtsprecherin Gisela Fechner.

So viel Exklusivität wiederum trieb manch einem aus Oberaichen die Sorgenfalten auf die Stirn. "Die Anwohner werden also ausgeschlossen, aber Integration sieht ja wohl anders aus", beklagte sich etwa ein Anrufer bei der Filder-Zeitung. Auch das Wohnheim sahen viele kritisch. "Wer kontrolliert eigentlich, was in so einem Heim und der dazugehörigen Koranschule genau mit den Kindern gemacht wird?" 

Hasan Matur, Vorsitzender des VKBI, versteht die Aufregung nicht:
"Die Darstellung ist völlig falsch", sagt er. Die Läden und der Frisör "stehen selbstverständlich nicht nur Muslimen, sondern allen Menschen in Oberaichen offen". Zudem sei kein Wohnheim im engeren Sinn vorgesehen. "Wir schaffen Räume, in denen Besucher, etwa nach Veranstaltungen am Wochenende, übernachten können. Mehr ist das nicht." Niemand müsse Angst haben, dass in dem Gebetszentrum Radikalität gepredigt werde. Hauptsächlich gehe es darum,  türkischen Kindern aus L.-E. ein Grundwissen in Religion zu lehren "Ich bin kein Radikaler, sondern ein ganz normaler Moslem", sagt Matur. "Und wir wollen den Kindern das beibringen, was jeder Moslem über den Islam wissen sollte." 

Kürzlich trafen sich Matur und andere Vertreter des VKBI mit den Vorstandsmitgliedern der Bürgergemeinschaft Oberaichen - offenbar ist es gelungen, Missverständnisse auszuräumen. "Es war ein hilfreiches Gespräch in offener Atmosphäre", sagt Hörz und schlägt damit eine ähnlich versöhnliche Tonart an wie Matur: "Viele Fragen haben uns überrascht, aber wir sind erleichtert, dass wir so einiges richtig stellen konnten." Der VKBI werde auch  in Zukunft engen Kontakt zur Bürgergemeinschaft und den Anwohnern suchen. "Ich  habe nicht das Gefühl, dass hier dasselbe passieren kann wie in Unteraichen", sagt Matur. Dort wollte der VKBI die ehemalige Gaststätte Rößle zur Moschee umbauen, was letztlich am massiven Widerstand der Anwohner scheiterte (wir berichteten).

In Oberaichen gab es bislang vergleichsweise wenig Schwierigkeiten, und Dieter Hörz rechnet nicht damit, dass sich daran etwas ändert. Die Bürgergemeinschaft, sagt er, habe sich intensiv mit dem VKBI beschäftigt und sei zu der Überzeugung gelangt, dass es sich "um einen sehr seriösen Verein" handle. Es gebe keine Vorbehalte gegen die Muslime.

Der VKBI treibt derweil den Bau des fast 2,3 Millionen Euro teuren Gebäudes an der S-Bahnstation voran. Derzeit sind die Architekten am Zug und feilen an Details. "Die brauchen sicher noch ein paar Monate, aber es läuft gut", sagt Matur. Vorgesehen ist ein modernes zweigeschossiges Gebäude, auf traditionelle Stilelemente einer Moschee wie Kuppel und Minarett wird der Verein größtenteils verzichten.